Meine Werke

Meine Zeit im BBZ

Wie habe ich mich / wir uns in den letzten Jahren verändert? (literarischer Text)

Was war vorher


Ich habe die Lehre als Mediamatiker 2019 begonnen, mit 31 Jahren auf dem Buckel. Da fragt sich sicher der ein oder andere – was zum Teufel will so eine alte Schachtel hier?
Im Grunde hatte ich 2008-2010 ja bereits eine Ausbildung gemacht, im kaufmännischen Bereich. Nur hatte ich leider das Pech das die Neurofibromatose, die mich seit Geburt begleitet, zu einem längeren Ausfall führte. Danach war der Einstieg in die freie Marktwirtschaft nicht ganz einfach. Im Laufe von 7 Jahren kämpfte ich mich, mit Hilfe meines lieben Partners und viel anderer Unterstützung, zurück auf immerhin eigenes Füssen. Zwar von einer temporären Beschäftigung zur nächsten. Aber war selbstständig


Zum grossen Glück habe ich 2019 ein Angebot bekommen als Mediamatiker eine zweite Lehre, für mich eine Chance.


Ende Sommer 2019 kam ich so in die Klasse MDM2019g in Biel.
Als Mediamatiker wurde mein Hobby (Fotografie, Zeichnen) zum Beruf.


Und ja. Im Vergleich zu den 16-18-Jährigen fühlt man sich mit frischen 31 Jahren wirklich wie eine alte Schachtel. Am Ende einfach so tun, als wüsste ich genau, dass jenes “voll cringe” ist und auch genau verstehe, was das jetzt bedeutet. Um nicht als Vollpfosten dazustehen, oder wie sagt ihr Heute?


Wie ist es mir ergangen?


Die Ausbildung im BBZ hat mich geprägt.
Das dritte Jahr war aktuell das schlimmste für mich. Es ist privat sehr viel passiert, was mich enorm mitgenommen hat. Und auch zu neuen Gedanken und Verhaltensweisen anregte.


So bin ich momentan auf das Thema “Hilfe” getrimmt. Dabei geht es nicht darum, laut nach Hilfe zu schreien. Sondern dass der Mensch immer je egozentrischer und in sich gekehrt wird – und sein Umfeld ausblendet. Wir sind umzingelt von “Smombies”. Niemand kümmert sich um den andern. Man blendet aus.


Vielleicht bin ich durch mein kaputtes Bein mehr getrimmt worden. Aber es ist oft vorgekommen, dass ich beim Bahnhof umgefallen bin – und kaum einer hat aufgeholfen. Sie sind vorbeigelaufen und haben mich liegen gelassen. Das waren schlimme Erlebnisse für mich
Dass ich in der Schule mit Mitschülern zwischenmenschliche Probleme hatte und allgemein leichte Probleme im sozialen Umgang habe, machte es auch nicht viel besser. Es war so eine echte Herausforderung für mich.


Am Ende lies mich vielleicht das auch nun etwas ruhiger und offener werden. Oder ist es doch das Alter.


Nicht nur, dass mir die Kommunikation immer wichtiger wurde, sondern auch von meinem eigenen Leistungsdruck wegzukommen. Und ich habe mir auch das Ziel gesetzt, meine Mitmenschen in meinem Umfeld zu sensibilisieren, mehr zu kommunizieren und im öffentlichen Verkehr die Augen offen zu haben.


Es dauerte lange, bis ich zu dieser Stärke kam. So habe ich im ersten Lehrjahr beinahe jeden Tag 2-3h noch zusätzlich gelernt. Am Ende des Schuljahres war ich ziemlich angeschlagen.
Und ich habe gelernt, besser zu sprechen. Und ja, auch sprechen will gelernt sein. So war ich so zurückgezogen, dass ich oft nichts gesagt habe. Heute habe ich den Mut (und das Repertoire) auch mal Witze zu machen – schlagfertig zu werden. Mir nicht alles so zu Herzen zu nehmen. Und mal etwas einfach hinzunehmen, ohne es im negativen Sinne zu hinterfragen. Oder mal grundsätzlich vom Schlechten auszugehen.


Was nicht einfach ist, wenn man am Bahnhof liegen gelassen wird.
Da habe ich vor allem während der Corona-Zeit und kurz danach extrem gemerkt.
Früher kannte ich es, dass man eine Person sah, die Hilfe braucht, hingegangen ist, das Zeug gepackt hat und ohne viel nachzufragen einfach geholfen hat. Heute muss man mehrmals nach Hilfe schreien, bevor jemand sich nur umdreht.


Dazu möchte und werde ich noch eine ganz eigene Präsentation machen. Das habe ich auch durch das BBZ gelernt – präsentieren und Menschen motivieren ist toll! Und Werte zu vermitteln noch viel mehr – machen wir den Planeten gemeinsam zu einem besseren Ort.


nach der Ausbildung


Nach der Ausbildung darf ich bei meinem aktuellen Praktikumsplatz verweilen. Ich werde einen eigenen Aufgabenbereich erhalten, den wir bereits heute am Aufarbeiten sind. So, dass ich mit meiner Arbeit mit Stolz leisten kann. Einen eigenen Mehrwert in das Kino bringen kann. Und wir haben weltweit das einzige Maskottchen.


Unser “Globi” für die Kinowelt.


Somit konnte ich meinem Hobby Zeichnen – was ich übrigens auch recht spät für mich entdeckt habe – auch beruflich weiter nachgehen.


Trotz allem Pech bin ich nun doch glücklich, die Chance ergriffen zu haben – und das Riesen Glück in der bereits 19-jährig dauernden Beziehung zu meinem Partner.
Nun stehen mir alle Möglichkeiten offen, nachdem es so bescheuert angefangen hat.


Und die Erkenntnis bleibt


Wir alle brauchen einmal Hilfe!